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Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich
Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich
© Fairtrade Österreich

Hartwig Kirner (Fairtrade): "Österreich liegt auf Platz 3 beim Pro-Kopf-Umsatz"

23.05.2017

Fairtrade Österreich hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Mittlerweile kennen 92 Prozent der Österreicher Fairtrade, 1750 Produkte liegen in den heimischen Regalen.  Hartwig Kirner, langjähriger Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, hat mit seinem Team das Siegel in Österreich zu dem gemacht, was es heute ist. Das beweist auch das Interview, das er der Handelszeitung gegeben hat.

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Fairtrade ist in den Köpfen der Konsumenten, des Handels und der Industrie angekommen. Das beweisen nicht nur die Absatzzahlen des vergangenen Jahres, sondern auch eine Studie über den Bekanntheitsgrad: Mittlerweile kennen 92 Prozent der Österreicher Fairtrade, 41 Prozent kaufen regelmäßig und 80 Prozent zumindest gelegentlich Produkte mit dem Fairtrade-Siegel. Besonders gut haben sich Kakao, Bananen und Kaffee entwickelt. Mit einem Plus von 20,1 Prozent auf 20.641 Tonnen erreichten die Bananenverkäufe 2016 einen Absatzrekord. Alle auf dem österreichischen Markt erhältlichen Fairtrade-Bananen sind biozertifiziert. Fairtrade-Kaffeeverkäufe entwickelten sich mit 16,7 Prozent Wachstum auf knapp 3660 Tonnen positiv bei bestehender Distribution. Der Star unter den Fairtrade-Produkten ist allerdings der Kakao. 2273 Tonnen Fair­trade-Kakao wurden alleine im vergangenen Jahr für Schokoladenwaren eingekauft. Das ist ein Plus von etwa 80 Prozent. Der geschätzte Gesamtumsatz von Fairtrade-zertifizierten Produkten in Österreich belief sich auf 270 Mio. Euro.

Handelszeitung: Sie kommen aus der Markenartikelindustrie und haben Ihr Wissen bei Fairtrade angewandt. Was waren die wichtigen Erfolgsschritte?

Hartwig Kirner: Es ist eine Summe aus vielen Elementen, die Fairtrade in Österreich erfolgreich machen und gemacht haben. Einerseits konzipieren wir regelmäßig Kampagnen. Auch derzeit läuft eine Plakatkampagne in Österreich. Damit verbunden ist eine ständige Visibilität am Regal, das ist eine der Zauberformeln. Dazu kommt eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Produzenten aus Handel und Industrie. Gerade jetzt, wo das Globalisierungsthema ein viel diskutiertes ist, fügt sich der faire Handel perfekt in das Gefüge ein. Nur mit einem fairen Lohn für die Produzenten im Land vor Ort kann man eine wirtschaftliche Balance schaffen. Nicht zuletzt zeigt uns die Zusammenarbeit mit wesentlichen NGOs wie Südwind oder Caritas, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wo steht Österreich im internationalen Fairtrade-Vergleich?

Harwig Kirner: Wir sind unter den Top-5-Fairtrade-Ländern weltweit, konkret sind wir Nummer drei hinter der Schweiz und Großbritannien, wenn man den pro Kopf-Verbrauch ansieht.

Was hat denn Kakao zu einem High-Flyer im Sortiment gemacht?

Hartwig Kirner: Der Start war sicherlich mit dem 2014 umgesetzten Rohstoffprogramm für Kakao gegeben. Seitdem haben wir viele Partner gewinnen können, die zum einen nicht nur den Fairtrade-Kakao beziehen, sondern auch sukzessive die gesamte Rohstoffbeschaffung umstellen. Zu den langjährigen Partnern zählen Heindl (Programm), aber auch Manner mit der Schokobanane (alle Zutaten). Neu dazugekommen ist etwa die Confiserie Berger oder Spar mit einer Süßwaren-Eigenmarke. Aber auch Rewe, Hofer oder Lidl haben neue Fairtrade-Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Das Programmsiegel war sicherlich für viele der Türöffner, wie etwa auch für Ferrero international.

Welche Rohstoffe liegen Fairtrade in Zukunft am Herzen?

Hartwig Kirner: Alle sind uns wichtig, aber spannend wird es auch mit dem Zuckerprogramm. Vöslauer ist schon dabei, Keli folgt im Sommer. Bei Zucker haben wir wie bei ­Kakao eine Gruppenmassenbilanz. Das heißt, es gibt eine Mengenrückverfolgbarkeit für die Partner, nur so schaffen wir laufend eine Mengenaufstockung und erzielen Erfolge. 

Autor: 
Gabriele Jiresch